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22.06.2026

Josef Grünwidl erhält in Rom das Pallium: Ein schmales Band für eine große Sendung

Erzbischof Josef Grünwidl erhält am 29. Juni in Rom das Pallium – ein schmales Band aus Lammwolle, das Weltkirche, Hirtendienst und Verantwortung für die Kirchenprovinz Wien sichtbar macht.

Erzbischof Josef Grünwidl erhält am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus in Rom von Papst Leo XIV. das Pallium. Das schmale Band aus weißer Lammwolle gehört zu den ältesten und aussagekräftigsten Amtszeichen der katholischen Kirche. Es verbindet den neuen Wiener Erzbischof sichtbar mit dem Bischof von Rom – und verweist zugleich auf seinen Dienst als Metropolit der Kirchenprovinz Wien.

 

Wolle, Würde und Weltkirche

Das Pallium ist kein prunkvolles Gewand und keine Insignie kirchlicher Macht. Es ist ein schmales Band aus weißer Lammwolle, das über der Kasel um die Schultern getragen wird; vorne und hinten fällt je ein kurzer Streifen herab. Sechs schwarze Kreuze sind darauf gestickt. Kleine Nadeln, die sogenannten Spinulae, erinnern an die Wunden Christi und an die Dornenkrone. Gerade in dieser Schlichtheit liegt seine Kraft. Das Pallium sagt, was ein Erzbischof sein soll: nicht Herrscher, sondern Hirte; nicht Einzelkämpfer, sondern Diener in der Gemeinschaft der Kirche; nicht für sich selbst gesandt, sondern für die Menschen, die ihm anvertraut sind. Es ist Zeichen der Einheit mit dem Papst und zugleich Zeichen der Verantwortung für eine konkrete Kirchenprovinz. In Österreich tragen das Pallium die Erzbischöfe von Wien und Salzburg. Zur Kirchenprovinz Wien gehören neben der Erzdiözese Wien die Diözesen Eisenstadt, Linz und St. Pölten.

 

Vom Agnes-Lamm zum Petrusgrab

Zu den eindrucksvollsten Details gehört der Weg des Palliums. Seine Wolle stammt traditionell von Lämmern, die am 21. Jänner, dem Gedenktag der heiligen Agnes, in Rom gesegnet werden. Aus dieser Wolle entstehen jene Pallien, die den neuen Metropoliten überreicht werden. Vor der Übergabe werden die Pallien in einem eigenen Behälter in der sogenannten Palliumnische beim Petrusgrab im Petersdom aufbewahrt. Diese Nische befindet sich im Bereich der Confessio unter dem Papstaltar. Damit wird das Pallium gleichsam vom Grab des Apostels Petrus her übergeben. Es ist nicht im strengen Sinn eine Reliquie, trägt aber den Charakter einer Berührungsreliquie: Es hat am Ort des Petrusgrabes geruht, bevor es dem Erzbischof aufgelegt wird. Das ist nicht nur ein schöner Ritus. Es wird vor allem sichtbar, worum es geht: Der Dienst des Metropoliten steht nicht isoliert da. Er ist eingebunden in die apostolische Überlieferung, in die Gemeinschaft mit Rom und in den Auftrag, das Evangelium in der eigenen Ortskirche lebendig zu halten.

 

Ein Joch, das trägt

Die Form des Palliums erinnert an ein Joch über den Schultern. Das verweist auf Christus, den Guten Hirten, der das verlorene Schaf sucht und auf seine Schultern nimmt. Der Erzbischof trägt das Pallium also nicht als Auszeichnung, die ihn über andere erhebt, sondern als Zeichen einer Last, die ihm anvertraut ist. Gerade darin liegt die Bedeutung dieses Bandes: Es verbindet Würde und Verantwortung, Amt und Dienst, Rom und Ortskirche. Es erinnert daran, dass kirchliche Leitung nicht zuerst Verwaltung ist, sondern Hirtendienst. Ein Erzbischof soll die ihm anvertrauten Menschen nicht dominieren, sondern tragen, sammeln, stärken und in der Einheit halten.

 

zur Liveübertragung am Montag den 29.6. ab 09:30Uhr:

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Seit der frühen Kirche

Das lateinische Wort pallium bezeichnete ursprünglich einen Mantel. In der kirchlichen Liturgie wurde daraus nach und nach ein besonderes Amtszeichen. Zunächst war es eng mit dem Papst verbunden; später wurde es ausgewählten Erzbischöfen verliehen. Heute ist es im lateinischen Ritus das Zeichen der Metropoliten. Ein Metropolit ist jener Erzbischof, der einer Kirchenprovinz vorsteht. Das Pallium bringt diese besondere Aufgabe zum Ausdruck: Er ist nicht Bischof über die anderen Bischöfe seiner Kirchenprovinz, wohl aber Zeichen und Garant der kirchlichen Verbindung innerhalb dieser Provinz und mit Rom.

 

Nicht überall, nicht beliebig

Das Pallium ist persönlich – und zugleich streng an das Amt gebunden. Es wird einem konkreten Erzbischof verliehen, gilt aber nur für seinen Dienst auf einem bestimmten Metropolitansitz. Wechselt ein Erzbischof auf einen anderen Metropolitansitz, muss er das Pallium neuerlich vom Papst erbitten und erhalten. Auch seine Verwendung ist genau geregelt. Der Metropolit darf das Pallium nur innerhalb seiner eigenen Kirchenprovinz tragen, also nicht einfach überall, wo er einer Liturgie vorsteht. Es ist kein allgemeines bischöfliches Ehrenzeichen und kein dekorativer Zusatz, sondern ein präzises kirchliches Amtszeichen. Steht der papst - etwa im rahmewn eines Besuches" dem Gottesdienst vor, trägt der Metropolit das Pallium normalerweise nicht, auch wenn da und dort von dieser Regel bereist abgewichen wurde.  Mit dem Ende der Amtszeit endet auch der liturgische Gebrauch. Zugleich bleibt das Pallium mit der Person und ihrer Sendung verbunden. Viele erinnern sich noch an das Begräbnis von Kardinal Franz König im Jahr 2004: Der frühere Wiener Erzbischof wurde mit jenem Pallium bestattet, das ihm Papst Pius XII. verliehen hatte. In diesem Bild verdichtete sich ein ganzes Bischofsleben: Dienst an Wien, Treue zur Weltkirche, Verantwortung vor Gott.

 

Peter und Paul als Datum

Dass die Pallien traditionell am 29. Juni überreicht werden, ist kein Zufall. Das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus ist das große Romfest der Kirche. Petrus steht für die Einheit, Paulus für Mission und Verkündigung. Beides gehört zum Pallium: die Bindung an Rom und der Auftrag, das Evangelium in der eigenen Kirchenprovinz zu bezeugen. Josef Grünwidl verbindet dieses  Datum auch mit seiner Priesterweihe am  29. Juni 1988 im Wiener Stephansdom durch Kardinal Franz König. Nun erhält er am selben Tag als Wiener Erzbischof das Pallium. 

 

Eine Brücke zur Ostkirche

Das Pallium erinnert auch an eine ältere gemeinsame Tradition von Ost und West. In der byzantinischen Liturgie tragen Bischöfe das Omophorion, ein breiteres Schulterband, das ebenfalls auf Christus, den Guten Hirten, verweist. Während das Pallium im lateinischen Ritus den Metropoliten vorbehalten ist, gehört das Omophorion im byzantinischen Ritus grundsätzlich zum bischöflichen Ornat. Gerade dieser Vergleich zeigt, worum es im Kern geht: Bischöflicher Dienst ist Hirtendienst. Der Bischof trägt nicht sich selbst zur Schau, sondern verweist auf Christus, der das Verlorene sucht und die Seinen auf den Schultern trägt.

 

Wien und Prag in Rom

Bei derselben Feier erhält auch der neue Prager Erzbischof Stanislav Přibyl das Pallium. Der frühere Bischof von Leitmeritz/Litoměřice war im Jänner Mitkonsekrator bei Grünwidls Bischofsweihe im Stephansdom. Damit klingt am Ende der römischen Feier auch eine Verbindung zwischen Wien und Prag mit: Zwei neue Metropoliten empfangen am Petrusgrab dasselbe Zeichen – ein schmales Band aus Wolle, das mehr sagt als viele Worte.